Die Historische Stieffell-Orgel der Kath. Stadtkirche St. Alexander
Neben der wertvollen und schönen Barockkirche mit ihren Altären, Figuren und Bildern besitzt die Pfarrei St. Alexander mit der historischen Orgel der Rastatter Hoforgelmacher Gebrüder Stieffell von 1828 ein weiteres Juwel.
Die Orgel ist das Paradeinstrument der Gebrüder Stieffell für ihre Heimatstadt. Dieses Instrument ist der Form des Gehäuses der Johann Andreas Silbermann Orgel von St. Blasien nachempfunden. Nach der Auflösung des Benediktinerklosters während der Säkularisation, erhielten die Gebrüder Stieffell den Auftrag, die Orgel nach St. Stephan in Karlsruhe zu übertragen und lernten dabei den silbermannschen Werkaufbau kennen. Für die Rastatter Orgel übernahmen sie die Gehäusegliederung mit den Hauptwerkfeldern in der Mitte, den äußeren Pedaltürmen und dem Oberwerk, sowie einige Dispositionselemente der Klangfarben, verteilt auf drei Manuale. Die Stimmen von Hauptwerk und Pedal entsprechen dem traditionellen Silbermannprinzip. Das Oberwerk wird zum facettenreichen Klangfarbenwerk. Das Unterwerk steht ganz der stieffellschen Tradition als Echowerk im Fuß des Orgelgehäuses.
Nach mehreren technischen und klanglichen Eingriffen bzw. Umbauten im Lauf der Jahrzehnte, war es notwendig geworden, die Orgel, deren Qualitäten nur noch in Ansätzen zu erahnen waren, grundlegend zu restaurieren. Im Jahre 1989 wurde der Auftrag an die Orgelbauwerkstatt Jann bei Regensburg vergeben. Die Mitarbeiter und der für die Restaurierung verantwortliche Orgelbaumeister Armin Ziegeltrum, haben es in z. T. detektivischer Arbeit erreicht, die Struktur und den Klang der historischen Orgel zurückzugewinnen. Sie haben durch sehr viel Fachwissen, verbunden mit handwerklichem Geschick und klanglicher Vorstellungskraft das Werk in seiner ursprünglich konzipierten Form und Klangpracht wieder erstehen lassen. Im November 1994 wurde die Orgel nach über vierjähriger Restaurierung mit neuem Glanz und prächtig strahlendem Klang wieder ihrer Bestimmung übergeben.
Das historischen Instrument ist zum großen Teil noch im Originalzustand erhalten und ein beeindruckendes Zeugnis des frühromantischen Orgelbaus. Es ist eine der wenigen erhaltenen dreimanualigen Orgeln aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Pfeifenmaterial ist bis auf wenige Register fast komplett erhalten, und erklingt nun wieder wie zur Zeit seiner Erbauung. Ebenso das schöne Gehäuse aus dunklem Eichenholz mit seinen goldenen Verzierungen. Lediglich die technische Spielanlage, der Spieltisch und die Keilbalganlage für die Windversorgung mussten rekonstruiert werden.
Hörbeispiele
Johann Sebastian Bach (1685–1750)
Komm, Gott, Schöpfer, Heiliger Geist – BWV 667
es spielt Jürgen Ochs
Francois Couperin (1668–1733)
Aus „Messe solemnelle a l’usage des paroisses“ pour Orgue
es spielt Jürgen Ochs
Johannes Brahms (1833–1897)
aus "11 Choralvorspiele" op. post. 122:



